HRS - Ein Fall für das Kartellamt?
HRS-Ärger
24.01.2012, 08:30 Uhr
Ein Fall für das Kartellamt?
von Sabine Pracht
Während sich die Fans auf der Facebookseite „HRS-freie-Woche“ mehren, prüft Hotelverbands-Chef Markus Luthe (Foto) hinter geschlossenen Türen kartellrechtliche Fragen.
HRS-Chef Tobias Ragge kommt nicht zur Ruhe. Die Hotels machen über alle Kanäle Druck: über die Fachmedien, über Facebook und über die allgemeine E-Mail-Adresse von HRS. Sie fordern, dass HRS die ab März geltenden Allgemeinen Geschäftsbedingungen wieder zurücknimmt. 50 Kündigungen sind schon bei dem Portal eingegangen. Außerdem haben einige Hotels dem Portal kurzfristig ihre Kontingente entzogen. Ragge zeigt sich davon noch wenig beeindruckt.
Während die Proteste der Hotels immer stärker und lauter werden, plant der Hotelverband IHA im stillen Kämmerchen etwas viel Grundlegenderes. „Wir werden die Sache kartellrechtlich prüfen“, sagt Markus Luthe, Geschäftsführer des Verbands. Seinen Ärger über die Kommissionserhöhung kann er nur schwer verbergen – vor allem über den Sinneswandel des Portal-Chefs. Denn nach der Übernahme von Hotel.de hatte Ragge noch öffentlich gesagt, er plane keine Preiserhöhung.
Die im Dezember gestartete Umfrage des IHA unter den Hoteliers über genutze Portale und Vertriebswege soll den Verband bei der kartellrechtlichen Prüfung unterstützen. Man werde „die Hotels noch einmal mit Nachdruck auffordern“ ihre Vertriebswege und die damit verbundenen Portalanteile offenzulegen.
Schon im Zuge der Übernahme von Hotel.de durch HRS hatten sich einige in Branche gefragt, ob ein solcher Zusammenschluss überhaupt kartellrechtlich zulässig sei. Doch kontrollpflichtig sind nur solche Fusionen, bei denen die beteiligten Unternehmen im letzten Geschäftsjahr vor dem Zusammenschluss insgesamt weltweit Umsatzerlöse von mehr als 500 Mill. Euro erzielt haben und mindestens ein beteiligtes Unternehmen im Inland Umsatzerlöse von mehr als 25 Mill. Euro erwirtschaftet hat. Hotel.de vermeldete für das Geschäftsjahr 2010 einen Umsatz von 36 Mill. Euro, wobei 42,2 Prozent davon aus dem Ausland kommen. HRS veröffentlichte zuletzt einen Umsatz für 2009 von 100 Mill. Euro. Der größere Teil davon dürfte im Inland erwirtschaftet werden.
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